Religion

 

Von nichts sind wir fester überzeugt als von dem ,worüber wir am allerwenigsten Bescheid wissen.   

Michel de Montaigne, ca. 1550

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Keine Begriffsdefinition von Religion findet in den verschiedenen Wissenschaften allgemeine Anerkennung.  Daraus ergeben sich unterschiedliche parallel existierende Religionsdefinitionen.

 

Das Wort „religio“ hatte im Lateinischen verschiedene Bedeutungen: Heiligkeit, Rücksicht, Bedenken, Skrupel, Pflicht, Gewissenhaftigkeit, Aberglaube.

Religio ist jedoch kein Terminus altrömischer Religion.

Im Mittelalter bezeichnete das Wort Religion zunächst Lehren, die je nach Auffassung für richtig oder falsch gehalten wurden. Erst im Zeitalter der Aufklärung wurde ein abstrakterer Religionsbegriff geprägt. 

 


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Im Kräftereich ist es eine akustische Installation in Form von „Hörglocken“,die dem Besucher eine Collage verschiedener religiöser Welten vermittelt ; oft nimmt man Kirchenglocken nicht mehr wahr , doch der Muhezin lässt uns aufhochen – die Gewohnheit beeinflusst unsere bewusste Wahrnehmng…..

An den Wänden erinnern Zitate grosser Denker an die fortwährende Auseinandersetzung mit dem Sinn einer Religion.

        

Jean-Jacques Rousseau(1712-1778), 

kritisierte Religion als Quelle von Krieg und Machtmissbrauch. Er entwickelte ein Modell einer Zivilreligion, eine neue, für alle Bürger gleichermaßen gültige Religion. Diese sollte zur Stabilität der Gesellschaft beitragen und umfasste die Unantastbarkeit des Gesellschaftsvertrags,Toleranz, sowie die Anerkennung eines Lebens nach dem Tod und die Existenz Gottes.


 

 

 

Sein Gegenspieler Voltaire(1694-1778), der die Machtfülle der Katholischen Kirche noch schärfer ablehnte, setzte sich dennoch für einen reinen, aber toleranten Monotheismus ein. Er erkannte zwar die Heiligen Schriften und die Auffassung, Jesus sei Gottes Sohn nicht an, war aber von der Existenz einer höheren Intelligenz überzeugt und ging von der Unsterblichkeit der Seele aus. Seinen Glauben an den freien menschlichen Willen stellte er paradoxerweise  selbst in jeder Hinsicht in Frage.

 

 


 

 

Immanuel Kant (1742-1804) formulierte  in seiner religionsphilosophischen Schrift „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ seine Auffassung: „Das Böse sei dem Menschen innewohnend…“. Er geht zwar von der Existenz Gottes aus, bemerkt jedoch, „Gott lasse sich allerdings nicht beweisen…..“

Kant vertritt die Meinung, konsequentes moralisches Handeln sei nicht möglich ohne den Glauben an Freiheit, die unsterbliche Seele und Gott.

Rituelle Handlungen im Rahmen der Religionen lehnte Kant allerdings als Pfaffentum ab.

 


Karl Marx (1818-1883) bezeichnet in seiner „Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtphilosophie“ Religion als „Opium des Volks“. Marx sieht in Religion ein verkehrtes Weltbewusstsein, produziert von Staat und Gesellschaft.

„Die Aufhebung der Religion, als des illusorischen Glücks des Volkes, ist die Forderung seines wirklichen Glücks.“

 

Gott ist tot! “ Der oft zitierte Ausspruch des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900) bekommt eine Wende, fährt man mit dem Zitat fort: 

Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“

Nietzsche sah die wachsende Bedeutung der Naturwissenschaften und die zunehmend radikale Religionskritik als Grund für den Verfall der Moral.

 

(Aus: Die Fröhliche Wissenschaft, Abschnitt 125, von Nietzsche als sein persönlichstes und ihm selbst sympathischstes Buch betitelt. Er bezeichnete diese Inhalte als seine „Privatmoral“) 

 

 

Für den Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud(1856-1939) ist Religion und deren Ausübung eine Folge von Zwangsneurosen und stellt infantiles Abwehrverhalten dar: Der Urmensch habe die Naturkräfte personalisiert und zu schützenden Mächten erhoben. Dieses Verhaltensmuster schließe an frühkindliche Erfahrungen des schützenden, doch auch strafenden Vaters an.

Das Schuldbewusstsein der gesamten Menschheit (Erbsünde) sei der kulturbewahrende Anfang sozialer Organisation der Religion, sowie daraus resultierend, sexueller Einschränkung.

(Aus Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur, 1929/30)

 


Erich Fromm (1900-1980), deutscher Psychoanalytiker und Philosoph, prägte eine weitere sozialpsychologische Definition. Religion wäre jedes von einer Gruppe geteilte System des Denken und Handelns, das dem einzelnen einen Rahmen der Orientierung und ein Objekt der Hingabe biete.

(Aus: Psychoanalyse und Religion, 1949).

 


Peter Sloterdijk, deutscher Philosoph (geb. 1947) schreibt der Religion die Wirkung eines psychosemantischen Immunsystems zu. Er bezeichnet nicht Gott, sondern „das Wissen um Heilung als Realität, von der biologischen bis zu einer spirituellen Stufe“ als „die Perle in der Muschel der Theologie“.

(Aus: Rede beim Sprengelkonvent, St. Petri, Dom Schleswig, 29. Mai 2006)

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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