Sagen und Fragen um Hildegard

Mancher sah sie als „Engel“


Hildegard von Bingen begegnet uns, dank der Werbeindustrie nicht nur als Marke gesunder Lebensmittel, sondern in Geschichten und Sagen auch als bewundernswert mutiger Mensch:

In ihrer unbeirrbaren Wahrhaftigkeit erschüttert sie nicht nur die zuhörenden Gemeinden, sondern bewirkt auch machen Sinneswandel im Klerus:So bringt sie ihr Glaube an Gerechtigkeit und ihr Kampf um christliche Vergebung noch im hohen Alter in Schwierigkeiten. Sie widersetzt sich der Anordnung, einen von ihr bestatteten exkommunizierten jungen Mann zu exhumieren. Die Folge ist ein Interdikt des Klosters. Alle Nonnen werden exkommuniziert. Trotz Bemühungen der greisen Äbtissin, die hohen Herrn in Mainz umzustimmen, bringt erst ein Brief nach Rom an den Erzbischof eine Wende. Der Körper des jungen Mannes darf bleiben,wo sich dieser seine Bestattung gewünscht hat: am Ruprechtsberg bei Hildegard. Das Interdikt wird aufgehoben.

 

 

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cividas codex: Mutterschaft aus dem geiste und dem Wasser


 


Und sie sah Engel…

Oft sind „Besonderheiten“ eines Menschen genetisch bedingt. Im Falle Hildegards gibt es zahlreiche Forschungen die sich mit dem Phänomen ihrer Erscheinungen beschäftigen.

Hildegards Visionen dienen als Grundlage zu ihren Werken und als Motor für ihr Leben.

Doch ohne Bedeutung der wichtigsten, visionären Wissenschaftlerin des Mittelalters in ihrer umfassenden Erkenntnis in Frage zu stellen, gibt es Hinweise darauf, dass ihre Visionen Trugbilder des Gehirns gewesen sein könnten.

Schwere Migräne kann Halluzinationen, wie z.B. Bilder funkelnder Sterne, erzeugen. Eine dieser Visionen- fallende Sterne ,die im Meer erlöschen (ABB) – deutet sie als Fall der Engel:“  Doch plötzlich geht… aus dem Geheimnis des auf dem Throne Sitzenden ein grosser Stern in lichtem Glanze und strahlender Schönheit hervor. Ihm folgten zahlreiche sprühende Funken… mit all seinen Trabanten zieht der Stern zum Süden hin… sofern erloschen sie und wurden schwarz wie Kohle … sie stürzen in einen Abgrund, und keinen von ihnen sahst du wieder.“

Soweit Hildegards allegorische Interpretation. Unsere prosaische Interpretation würde lauten, dass Phosphene*1), gefolgt von einem negativen Skotom*2), ihr Gesichtsfeld durchzogen.


(….) Hildegards Visionen stellen ein einzigartiges Beispiel dafür dar, wie ein physiologischer Vorgang ,der für die allermeisten Menschen banal, unangenehm oder bedeutungslos wäre, bei einem Menschen, dessen Bewusstsein sich von der Masse abhebt, zur Grundlage höchster extatischer Inspiration werden kann.“


(Dr. Oliver Sacks, Neuropsychologe , N.Y.)

 


*1) Phosphene sind Lichterscheinungen, die durch visuelle Reize hervorgerufen werden. Bei komplexen Phosphenen, den eigentlichen Halluzinationen, können vor dem geistigen Auge Gegenstände, Tiere, Menschen oder ganze Szenen erscheinen.


*2)  Skotome sind mehr oder weniger große inselförmige Gesichtsfeldausfälle, negative Skotome bleiben vom Betroffenen häufig unbemerkt.

 

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